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Über mich

 Wie ich hierhergekommen bin

Ich bin Sarah Gutwin und habe 15 Jahre lang als Pflegefachkraft in verschiedenen Bereichen gearbeitet. Heute unterrichte ich in der Pflegeausbildung und habe meinen Master in Berufspädagogik. Außerdem unterstütze ich meine Mutter in der Pflege meines demenzkranken Vaters.

In diesen fünfzehn Jahren habe ich unzählige Familien erlebt, bei denen von einem Tag auf den anderen alles anders war. Ganz egal, ob ich im Krankenhaus, im Pflegeheim oder im ambulanten Dienst unterwegs gewesen bin. Als ich selbst betroffen war, habe ich das erst so richtig verstanden.

Ich habe immer dasselbe gesehen: Wir haben die pflegebedürftigen Menschen versorgt und die Angehörigen standen daneben. Sie haben gefragt, was sie tun können und bekamen freundliche Antworten, die ihnen nicht weitergeholfen haben. Für sie war niemand zuständig. So war es auch bei uns und ich komme eigentlich selbst aus dem Gesundheitssystem. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Deshalb habe ich die Forschung in meiner Masterarbeit genau diesem Thema gewidmet und kann sie nutzen, um meine Kurse zu gestalten.

Woher ich das kenne

Mein Vater hat Demenz.

Angefangen hat es nicht mit dem Vergessen, sondern mit Dingen, über die man nicht gerne spricht. Er hat sich nicht mehr gewaschen. Auf der Arbeit haben sich Kollegen beschwert, weil es nach Urin roch und weil er eingeschlafen ist. Dann kamen kleinere Unfälle. Irgendwann wurde er in die vorzeitige Rente geschickt, ohne dass vorher jemand mit ihm oder mit uns gesprochen hätte.

Ich saß damals an meiner Bachelorarbeit. Meine Mutter war völlig überfordert, nicht nur organisatorisch.

Und dann kam die Begutachtung. Mein Vater hatte vor Jahren Blasenkrebs und trägt seitdem einen Urostomabeutel. Im Termin fiel der Satz: "Aber den Beutel kann er doch wohl noch alleine wechseln oder?"

Er konnte den Beutel natürlich nicht alleine wechseln. Das wäre auch für eine gesunde Person ohne Demenz eine Herausforderung. Dann kam die Ablehnung des Pflegegrades, das Einspruchsverfahren usw. In einer so emotional belasteten Zeit.

Diesen Satz habe ich nie vergessen. Er ist der Grund, warum es bei mir einen eigenen Kurs zur Begutachtung gibt.

Wo ich gelernt habe, was ich weiß

Meine 15 Jahre verteilen sich auf sehr unterschiedliche Orte.

Angefangen habe ich in der Klinik, auf einer Chest Pain Unit und auf der Intermediate Care, also bei Menschen mit Herzinfarkt und schweren Herzerkrankungen.

Danach war ich in mehreren Pflegeheimen: eines mit Demenzschwerpunkt, eines mit neurologischer Frührehabilitation und ein allgemeines Haus. Dort habe ich sehr verschiedene Verläufe gesehen und gelernt, wie unterschiedlich gute Pflege aussehen kann.

Dann bin ich Touren im ambulanten Pflegedienst gefahren. Da wo man sieht, was Familien zu Hause wirklich leisten.

Zuletzt war ich in der ambulanten Intensivpflege. Dort habe ich eine Fachweiterbildung gemacht, war Praxisanleiterin, habe ein Team geleitet, die Praxis koordiniert und Fort- und Weiterbildungen mitgestaltet. Da hat sich das zusammengefügt, was heute mein Beruf ist: Pflege und Lehre. Das mittlerweile auch seit sechs Jahren. 

Woran ich glaube

Mittlerweile ist es nicht nur mehr glauben sondern durch meine Masterarbeit auch das Wissen:

Das Schwerste an der Pflege sind selten die Handgriffe. Es ist alles drumherum.

Deshalb geht es in meinen Kursen um die Dinge, über die sonst niemand spricht. Was dieser Einschnitt mit einem Menschen macht. Warum Hilfe anzunehmen so schwerfällt. Wie man einen Bescheid liest. Und warum ein schlechter Tag nicht immer die Krankheit ist.

Ich verspreche keine Lösungen. Eine Demenz oder auch ein Schlaganfall wird nicht besser, weil jemand einen Kurs besucht hat. Was ich anbieten kann, sind Worte für das, was passiert und Werkzeuge für das, was kommt. Manchmal reicht das, damit eine Woche leichter wird als die letzte.

Ich sage dazu, wenn ich etwas nicht weiß und ich sage dazu, wo mein Angebot endet. Ich bin keine Ärztin, keine Anwältin und keine gesetzliche Pflegeberaterin. Für manches braucht es andere und dann sage ich das.