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Modul 1 Der Pflegefall. Wenn sich im Alltag plötzlich alles ändert.
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Modul 2 Was hat mein Angehöriger? Körperliche Erkrankungen verstehen.
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Modul 3 Wenn der Kopf sich verändert. Demenz verstehen und begleiten
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Modul 4 Der persönliche Pflegealltag: Aus der eigenen Geschichte lernen
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Modul 5 Hilfe annehmen dürfen
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Modul 6 Kraft behalten: Selbstfürsorge und der Plan ab jetzt
Zwei Jahre in zwei Erzählungen
Eben hast du geübt, einzelne Beobachtungen einzuordnen. Jetzt schauen wir auf einen ganzen Verlauf. Sabine und Thomas erzählen die letzten zwei Jahre mit ihrem Vater, jeder auf seine Weise. Lies erst beide Erzählungen. Danach ordnest du einzelne Momente den Phasen zu, die du im Erklärvideo kennengelernt hast. Rechne mit etwa fünfzehn Minuten.
Gedruckt werden die Erzählungen und die Antworten, die du ausgewählt hast. Falls der Knopf nicht reagiert, funktioniert auch Strg und P, auf dem Mac Befehl und P.
Sabine, 51 Jahre, Tochter
„Ich habe es gesehen, bevor es einen Namen hatte."
Ich bin die, die nach Mamas Tod regelmäßig hingefahren ist. Erst einmal die Woche, dann zweimal, dann öfter. Ich habe Aufläufe mitgebracht, die für drei Tage reichten und die Post sortiert, die sich auf dem Küchentisch stapelte.
Irgendwann klebten überall diese Zettel. Herd aus. Schlüssel Garderobe. Dienstag Müll. Ich habe sie gesehen und mir nichts dabei gedacht. Er war eben ordentlich, dachte ich. Er hat immer alles aufgeschrieben. Dass er dreimal in einer Stunde dieselbe Frage stellte, habe ich auf die Trauer geschoben. Man findet für alles eine Erklärung, wenn man eine sucht.
Dann kam der Morgen mit der Bäckerei und eine fremde Frau rief mich an, weil mein Vater auf einer Parkbank saß und nicht mehr wusste, wo er war.
Nach dem Neurologen bin ich eine halbe Stunde im Auto gesessen, bevor ich losgefahren bin. Ich habe nicht geweint. Ich habe auf das Lenkrad gestarrt und versucht zu begreifen, was das jetzt heißt. Für ihn. Für mich. Für alles. Ich weiß noch, dass ich gedacht habe: Und wer macht das jetzt. Dieser Gedanke kam vor allen anderen, und ich habe mich lange dafür geschämt.
Wir haben uns dann irgendwie eingerichtet, mein Bruder und ich. Dienstags und donnerstags ich, samstags er. Ein Rhythmus, der keinem von uns gepasst hat, aber er hat funktioniert. Als die Hausärztin einen Pflegedienst vorschlug, habe ich drei Wochen gebraucht, um anzurufen. Es war nicht das Geld. Es war der Satz, den ich mir selbst nicht sagen wollte: Wenn Fremde meinen Vater waschen, dann schaffe ich es nicht.
Dann kam der Anruf um Viertel nach sieben. Die Pflegerin. Ihr Vater liegt im Bad, er ist gestürzt, der Rettungswagen ist unterwegs. Ich habe im Büro gestanden, mit dem Telefon am Ohr, und alles andere war plötzlich egal.
Nach der Reha kam er zurück in eine Wohnung, die anders aussah als die, aus der er weggefahren war. Haltegriffe, Duschhocker, Pflegebett. Wir haben alles neu sortiert. Ich habe Anträge ausgefüllt, telefoniert, Fristen im Kopf behalten, die mir niemand gesagt hat. Es war anstrengend, aber es hatte etwas von Aufräumen. Man konnte etwas tun.
Danach lief es ein halbes Jahr. Ich hatte einen Plan. Morgens der Dienst, mittags das Essen, nachmittags zweimal die Woche die Begleiterin. Ich wusste, was wann dran ist. Ich habe zum ersten Mal seit Langem wieder ein Wochenende gehabt, an dem ich nicht an ihn gedacht habe. Nur eines. Aber immerhin.
Und jetzt reicht das alles nicht mehr. Er braucht mehr, als wir organisiert haben. Und ich frage mich seit Wochen, was ich in den letzten Monaten falsch gemacht habe.
Thomas, 48 Jahre, Sohn
„Ich mache das, was man nicht in Anträge schreiben kann."
Meine Schwester organisiert. Ich komme samstags. Das klingt nach weniger, und meistens fühlt es sich auch so an.
Ich habe lange nicht verstanden, was los ist. Ich war ja nur sonntags da, und sonntags war er meistens gut drauf. Sabine hat gesagt, es wird schlimmer, und ich habe gedacht, sie übertreibt. Heute weiß ich, dass er sich für mich zusammengerissen hat, solange er das noch konnte.
Als sie mir von der Diagnose erzählt hat, am Telefon, habe ich zuerst nichts gesagt. Dann habe ich gesagt: Ich weiß nicht, ob ich das kann. Sie hat gesagt: Ich auch nicht. Aber wer sonst.
Wir gehen jetzt einmal um den Block, mit dem Rollator, und früher sind wir zum Teich gelaufen. Er erzählt mir Geschichten von damals, und ich weiß oft nicht, ob sie stimmen. Ich höre trotzdem zu, weil es besser ist als Schweigen.
Im Februar hat die Stehlampe geflackert. Ich habe den Werkzeugkoffer aus der Abstellkammer geholt und die Fassung gewechselt. Zehn Minuten. Er hat danebengesessen und zugeschaut, und als ich fertig war, hat er gesagt: Das hast du gut gemacht. Früher hat er das für uns alle gemacht. Ich musste mich im Flur kurz an die Wand lehnen.
Nachts liege ich wach, und um fünf muss ich zur Schicht. Auf meinem Kühlschrank klebt seit Monaten eine Nummer von einer Beratungsstelle, die Sabine mir aufgeschrieben hat. Ich habe einmal gewählt und wieder aufgelegt, bevor es geklingelt hat. Was hätte ich denn sagen sollen. Mir geht es ja gut. Krank ist mein Vater.
Ordne die Momente ein
Sechs Stellen aus Sabines Erzählung. Zu welcher Phase gehört jede?
Zwei Erzählungen, ein Verlauf
Sabine und Thomas beschreiben dieselben zwei Jahre, und trotzdem klingt es nach zwei verschiedenen Geschichten. Sie erzählt in Aufgaben, er in Momenten. Von außen sieht das aus, als täte sie mehr. Beide tragen unterschiedliche Teile derselben Last.
Der Verlauf, den du gerade eingeordnet hast, ist nicht Heinrichs Verlauf allein. Es ist auch ihrer.
Im nächsten Schritt geht es um dich. Um deinen Verlauf, deinen Standort und die Frage, was gerade dran ist.
Zwei Jahre in zwei Erzählungen
Eben hast du geübt, einzelne Beobachtungen einzuordnen. Jetzt schauen wir auf einen ganzen Verlauf. Sabine und Thomas erzählen die letzten zwei Jahre mit ihrem Vater, jeder auf seine Weise. Lies erst beide Erzählungen. Danach ordnest du einzelne Momente den Phasen zu, die du im Erklärvideo kennengelernt hast. Rechne mit etwa fünfzehn Minuten.
Gedruckt werden die Erzählungen und die Antworten, die du ausgewählt hast. Falls der Knopf nicht reagiert, funktioniert auch Strg und P, auf dem Mac Befehl und P.
Sabine, 51 Jahre, Tochter
„Ich habe es gesehen, bevor es einen Namen hatte."
Ich bin die, die nach Mamas Tod regelmäßig hingefahren ist. Erst einmal die Woche, dann zweimal, dann öfter. Ich habe Aufläufe mitgebracht, die für drei Tage reichten und die Post sortiert, die sich auf dem Küchentisch stapelte.
Irgendwann klebten überall diese Zettel. Herd aus. Schlüssel Garderobe. Dienstag Müll. Ich habe sie gesehen und mir nichts dabei gedacht. Er war eben ordentlich, dachte ich. Er hat immer alles aufgeschrieben. Dass er dreimal in einer Stunde dieselbe Frage stellte, habe ich auf die Trauer geschoben. Man findet für alles eine Erklärung, wenn man eine sucht.
Dann kam der Morgen mit der Bäckerei und eine fremde Frau rief mich an, weil mein Vater auf einer Parkbank saß und nicht mehr wusste, wo er war.
Nach dem Neurologen bin ich eine halbe Stunde im Auto gesessen, bevor ich losgefahren bin. Ich habe nicht geweint. Ich habe auf das Lenkrad gestarrt und versucht zu begreifen, was das jetzt heißt. Für ihn. Für mich. Für alles. Ich weiß noch, dass ich gedacht habe: Und wer macht das jetzt. Dieser Gedanke kam vor allen anderen, und ich habe mich lange dafür geschämt.
Wir haben uns dann irgendwie eingerichtet, mein Bruder und ich. Dienstags und donnerstags ich, samstags er. Ein Rhythmus, der keinem von uns gepasst hat, aber er hat funktioniert. Als die Hausärztin einen Pflegedienst vorschlug, habe ich drei Wochen gebraucht, um anzurufen. Es war nicht das Geld. Es war der Satz, den ich mir selbst nicht sagen wollte: Wenn Fremde meinen Vater waschen, dann schaffe ich es nicht.
Dann kam der Anruf um Viertel nach sieben. Die Pflegerin. Ihr Vater liegt im Bad, er ist gestürzt, der Rettungswagen ist unterwegs. Ich habe im Büro gestanden, mit dem Telefon am Ohr, und alles andere war plötzlich egal.
Nach der Reha kam er zurück in eine Wohnung, die anders aussah als die, aus der er weggefahren war. Haltegriffe, Duschhocker, Pflegebett. Wir haben alles neu sortiert. Ich habe Anträge ausgefüllt, telefoniert, Fristen im Kopf behalten, die mir niemand gesagt hat. Es war anstrengend, aber es hatte etwas von Aufräumen. Man konnte etwas tun.
Danach lief es ein halbes Jahr. Ich hatte einen Plan. Morgens der Dienst, mittags das Essen, nachmittags zweimal die Woche die Begleiterin. Ich wusste, was wann dran ist. Ich habe zum ersten Mal seit Langem wieder ein Wochenende gehabt, an dem ich nicht an ihn gedacht habe. Nur eines. Aber immerhin.
Und jetzt reicht das alles nicht mehr. Er braucht mehr, als wir organisiert haben. Und ich frage mich seit Wochen, was ich in den letzten Monaten falsch gemacht habe.
Thomas, 48 Jahre, Sohn
„Ich mache das, was man nicht in Anträge schreiben kann."
Meine Schwester organisiert. Ich komme samstags. Das klingt nach weniger, und meistens fühlt es sich auch so an.
Ich habe lange nicht verstanden, was los ist. Ich war ja nur sonntags da, und sonntags war er meistens gut drauf. Sabine hat gesagt, es wird schlimmer, und ich habe gedacht, sie übertreibt. Heute weiß ich, dass er sich für mich zusammengerissen hat, solange er das noch konnte.
Als sie mir von der Diagnose erzählt hat, am Telefon, habe ich zuerst nichts gesagt. Dann habe ich gesagt: Ich weiß nicht, ob ich das kann. Sie hat gesagt: Ich auch nicht. Aber wer sonst.
Wir gehen jetzt einmal um den Block, mit dem Rollator, und früher sind wir zum Teich gelaufen. Er erzählt mir Geschichten von damals, und ich weiß oft nicht, ob sie stimmen. Ich höre trotzdem zu, weil es besser ist als Schweigen.
Im Februar hat die Stehlampe geflackert. Ich habe den Werkzeugkoffer aus der Abstellkammer geholt und die Fassung gewechselt. Zehn Minuten. Er hat danebengesessen und zugeschaut, und als ich fertig war, hat er gesagt: Das hast du gut gemacht. Früher hat er das für uns alle gemacht. Ich musste mich im Flur kurz an die Wand lehnen.
Nachts liege ich wach, und um fünf muss ich zur Schicht. Auf meinem Kühlschrank klebt seit Monaten eine Nummer von einer Beratungsstelle, die Sabine mir aufgeschrieben hat. Ich habe einmal gewählt und wieder aufgelegt, bevor es geklingelt hat. Was hätte ich denn sagen sollen. Mir geht es ja gut. Krank ist mein Vater.
Ordne die Momente ein
Sechs Stellen aus Sabines Erzählung. Zu welcher Phase gehört jede?
Zwei Erzählungen, ein Verlauf
Sabine und Thomas beschreiben dieselben zwei Jahre, und trotzdem klingt es nach zwei verschiedenen Geschichten. Sie erzählt in Aufgaben, er in Momenten. Von außen sieht das aus, als täte sie mehr. Beide tragen unterschiedliche Teile derselben Last.
Der Verlauf, den du gerade eingeordnet hast, ist nicht Heinrichs Verlauf allein. Es ist auch ihrer.
Im nächsten Schritt geht es um dich. Um deinen Verlauf, deinen Standort und die Frage, was gerade dran ist.
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